Heimatpflege Wolfsburg

Ehmen

Wappen Ehmen

Ehmen

einst das Dorf der „hohen Schornsteine"

Ehmen wurde erstmals im Jahr 942 in einer Urkunde Kaiser Ottos I. als Gimin erwähnt. Über 900 Jahre lebten die Menschen dort von Landwirtschaft und Handwerk. Doch im Jahr 1898 begann die Zeit „der hohen Schornsteine" mit der Entdeckung von Kalisalz im Untergrund des Dorfes. Kalisalze waren als wichtige Düngemittel für die Landwirtschaft erkannt worden. Der beschauliche Ort entwickelte sich ab 1899 zum größten Industriegebiet der Region.

Gewerkschaft Einigkeit I – Salzbergwerk und Chemische Fabriken Ehmen bei Fallersleben, Prov. Hannover
Gewerkschaft „Einigkeit I" – Salzbergwerk und Chemische Fabriken Ehmen bei Fallersleben, Prov. Hannover
Perspektivische Industrieaufnahme, Kunstverlag Eckert & Flöge, Leipzig, kurz nach 1900

Die perspektivische Industrieaufnahme des Kunstverlags Eckert & Flöge, Leipzig, zeigt kurz nach 1900 die riesigen Anlagen des Salzbergwerks und die damit zusammenhängenden Industriegebäude in Ehmen. Der dritte Schornstein gehört zum Ringofen der Ziegelei, die am oberen Ende der Mörser Chaussee auf der gegenüberliegenden Straßenseite errichtet worden war – denn der Bedarf an Bausteinen war über und unter der Erde gewaltig. Dazu kamen die „Kolonien" mit Wohnhäusern für die Bergleute mit ihren Familien.

Postkarte 1901: Kali-Werk Ehmen mit 64 m hohem Schornstein und Wasserturm
Postkarte von 1901 mit dem 64 m hohen Schornstein und dem Wasserturm

Einwohnerzahlen durch den Kaliabbau (1898–1925)

1871 530 Einwohner
1905 976 Einwohner
1925 1.261 Einwohner

Was heute noch zu sehen ist

Wasserturm des ehemaligen Industriegebiets in Ehmen
Der Wasserturm des Industriegebiets – heute noch erhalten
Ehemaliges Pförtnerhaus des Schachtgeländes an der Mörserstraße
Das ehemalige Pförtnerhaus – damals Eingang für die Arbeiter zum Schachtgelände

Den Wasserturm des Industriegebiets und das ehemalige Pförtnerhaus gibt es heute noch an der südlichen Seite der Mörserstraße. Ebenso stehen noch einige Villen der Manager sowie Arbeiterhäuser in den „Kolonien".

Reste der Umfassungsmauer aus roten Ziegeln
Teile der Umfassungsmauer aus roten Ziegeln zwischen Schachtgelände und Mörser Chaussee – heute Abgrenzung des Sportplatzes

17. Februar 1917 – Gasexplosion

Am 17. Februar 1917 geschah in der großen Schachtanlage eine Gasexplosion. 30 Bergleute kamen in der Tiefe durch giftige Gase ums Leben.

Alter Friedhof in Ehmen – Gräber der Bergleute und Zwangsarbeiter
Alter Friedhof in Ehmen, Brunsroderstraße – rechts die Gräber der einheimischen Bergleute, links die der Zwangsarbeiter des Ersten Weltkriegs

Nach dem Ersten Weltkrieg machten Absatzschwierigkeiten und Inflation das Werk zunehmend unrentabel, so dass 1925 die Stilllegung der gesamten Industrieanlage beschlossen wurde.

Schützenscheibe Volkskönig Ehmen 2025 – Salzbergwerk Einigkeit I
Schützenscheibe 2025 – 100 Jahre nach Aufgabe des Kalibergbaus in Ehmen gedachte der Schützenverein dieser prägenden Epoche

100 Jahre nach der Aufgabe des Kalibergbaus in Ehmen wurde 2025 vom Schützenverein bei der Gestaltung der Schützenscheibe an diese für das Dorf so prägende Epoche gedacht.

Autorin: Gerhild Wehl, Ehmen (Februar 2026)

Quellen:

  • Hans-Georg Schulze: Texte zur Geschichte Wolfsburgs Band 4 – Ehmen, Eine Chronik, 1981
  • Klaus-Jörg Siegfried: Ein Dorf wandelt sich … in Ehmen, Texte zur Geschichte Wolfsburgs Band 8, 1982
  • Fotos: Norbert Rath (Ehmen), Frank Hein (Ehmen), Gerhild Wehl (Ehmen)

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