Badekot
Andere Schreibweisen: Badekoten, Bathekot, Badecot, Bakoht, Badekoth
Objekt: totale Ortswüstung mit temporärer Flurwüstung
Errichtet: –
Inschrift: –
Name:
Das Grundwort „– kot“ kommt von dem altdeutschen „-kote(n)“ = „Hütte(n)“, „Kleinbauerstelle(n)“. Es deutet auf eine Siedlungsgründung im Rahmen des frühmittelalterlichen Landesausbaus im 9./10. Jahrhundert hin, in dessen Folge viele Orte auf gerodetem Land entstanden. Vermutlich handelte es sich im Fall von Badekot um westdeutsche Siedler, da das Hauptverbreitungsgebiet der Ortsnamen auf „-kot(en)“ im Bergischen Land und in Westfalen liegt1. Diese Ansicht wiederspricht allerdings dem Befund, dass es sich bei Badekot um einen frühen Rundling, also um eine Gründung der Wenden, gehandelt hat2. Vielleicht ist der alte, slawische Name später durch den deutschen verdrängt worden. Jedenfalls tragen auch die Flurstücke deutsche Namen3
Flur: –
Größe:
- Die Generallandesvermessung von 1759 ergab 841 Morgen und 5 Ruthen, davon 601 Morgen 105 Ruthen „artbarer Länderei“ und 259 Morgen und 20 Ruthen sog. „Heidebalken“. Die hier angegebene Dorfstelle liegt inmitten von wüsten Heideflächen1.
Dorfstelle:
- Die ehemalige Dorfstelle ist archäologisch genau bestimmbar durch die Aufteilung der Parzellen und Scherbenfunde (s. Karte)1.
Lage:
- auf dem Butterberg zwischen Kestorf, Warmenau und Brackstedt, 2,2 km südöstlich und auf der Flur Brackstedt1
Nutzbarkeit:
- ungünstige Bodenwerte (sandiger Geestboden, hochwasserfrei, aber kein Zugang zu fließenden Gewässern und fast keine Weidegründe für das Vieh). Die Badekoter nutzten Hochbeete (Wolbäcker-Funde), die seit dem Mittelalter nicht mehr bewirtschaftet worden sind. Während des warmen und trockenen Klimas im Hochmittelalter können die landwirtschaftlichen Erträge nur gering gewesen sein1.
- erste urkundliche Erwähnung um 1150
- wüst gefallen wohl im 14./15. Jahrhundert wüst; Grund: Genaues ist nicht bekannt. Die Lage der Badekoter Flur war aus landwirtschaftlicher Sicht ungünstig (s.o.). Allenfalls im verregneten 14. Jahrhundert kann der Boden von Vorteil gewesen sein; es ist aber möglich, dass er zu diesem Zeitpunkt schon wüst lag, da er 1255 zuletzt als bewohnt erwähnt wird, damals bereits aber eine partielle Ortswüstung vorliegt (s.u.). Besondere Ereignisse, wie der Rachefeldzug des Herzogs Otto von Lüneburg 14761 oder die Pest, könnten die Wüstwerdung des Ortes eingeleitet bzw. unterstützt haben. In jedem Fall lohnte sich bei einer so schlechten Lage ein Wiederaufbau wohl kaum2.
Einwohner:
-
Seit „unvordenklicher Zeit“ [vermutl. seit der Ortswüstung (s.u.); G.H.] bewirt-schafteten neun Hofbesitzer in Brackstedt die Flur von Badekot und leisteten den von Bartensleben für die Nutzung jährlich eine Abgabe von „60 Himten Rocken“. Bei der Generallandvermessung wurden aber nur 490 Morgen 5 Ruthen Nutzland und 134 Morgen 5 Ruthen „Heidebalken“ angegeben, weswegen am 14. März 1765 der übrige Teil der Flur (111 Morgen 105 Ruthen Nutzland und 105 Morgen 15 Ruthen) für sechs Jahre und eine jährliche Abgabe von „25 Himten Rocken“ an die Gemeinde Kestorf verpachtet wurde. Noch 1794 war diese Flur trotz Beschwerden der Brackstedter immer noch an Kestorf verpachtet1.
- aus Karten zur Zeit der Verkoppelung (ca. 1830-1860) geht hervor:
-
Ein als Beispiel ausgewählter Vollköter hat eine Hofstelle am Dorfzugang von Brackstedt und hat den größten Teil seines Landes ausschließlich in der Badekoter Flur → vermutlich war er ein Einwohner von Badekot gewesen, der mit der Hofstelle nach Brackstedt umgesiedelt war und noch seine Felder in der alten Flur bestellte2.
Geschichte:
- Um 1150 besaß das Kloster S. Ludgeri in Helmstedt dort 7 bewohnte und mehrere unbewohnte Mansen und erhielt folgende Abgaben: 1 große Ampfer Honig, 1 Schale (sutella) voll Hirse, 1 Brot, 5 Eier, 5 Manipeln, 1 Paket Leinwand (fasciculum lini), slawisch Tob genannt1.
- 1224 wollte das Kloster Badekot an den Herzog von Sachsen und rheinischen Pfalzgrafen Heinrich geben. Heinrich sollte im Gegenzug 74 Hufen des Klosters in Eimen, Velpke, Papenrode, Macherode, das östliche und das westliche Sysbeck von allen Abgaben befreien. Dieser Handel muss, zumindest teilweise, gescheitert oder rückgängig gemacht worden sein, denn 1252 ist das Kloster noch in Besitz von Badekot und gibt es – zusammen mit Brackstedt – Herzog Otto von Braunschweig, der dem Kloster dafür die Advocatia von 42 Mansen in den Dorfschaften Ingerslove und Emerslove. Herzog Otto überlässt beide Gemarkungen wiederholt den von Bartensleben zum Lehen. Badekot gehörte zu ihren bedeutendsten Besitzungen1.
- 1255: Der Abt des Mutterklosters zu Werden bestätigt die Abtretung Badekots an Herzog Otto von Braunschweig1.
- Die Herzöge von Braunschweig vergeben Badekot 1394, 1475 und bis 1742 als Lehen an die von Bartensleben1.
- 1435: Badekot wird als zu Brackstedt gehörig aufgeführt, ist also wahrscheinlich bereits wüst gefallen1
- Die Brackstedter Bauern bewirtschaften das Land, bis dahin eine Flurwüstung, auch in den folgenden Jahrhunderten als Erbenzinsland. Da die zugrundliegende Rechtsform allerdings erst ab 1433 durchsetzen kann, wird der rechtliche Status der Badekoter Gemarkung offenbar festgelegt, lange nachdem die Flur an die Brackstedter Bauern gekommen war1
- Nach dem Aussterben der von Bartensleben in der männlichen Linie (1472) fiel es wahrscheinlich an Braunschweig zurück und wurde als heimgefallen dem Amt Vorsfelde zugeschlagen1
- 1722: Lt. Philipp Rehtmeiers Aussage in der Braunschweigisch-Lüneburgischen Chronik wurde Badekot am Johannistag 1372 im Zuge einer Schlacht zerstört1
- 1995 wurden beim Ausbaggern für den Ausbau der Wolfsburger Kläranlagen in ein bis zwei Metern Tiefe Keramikscherben gefunden (Urnen oder Vorratsgefäße), die auf eine menschliche Besiedlung der späteren Gemarkung Badekot bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. hindeuten2.