Detmerode

Objekt:

  • Totale Ortswüstung

Errichtet: –

Inschrift: –

Name:

Das Grundwort „-rode“ weist auf eine Siedlung auf gerodetem Gebiet, das in der älteren Zeit der „-dorf“-Orte noch nicht landwirtschaftlich genutzt worden war. Der Name kann auf die Zeit zwischen der Mitte des 10. Jahrhunderts und dem 12. Jahrhundert datiert werden61 bzw. auf 800 – 120062.

Flur: 

  • Vermutlich „Das große Feld“, „Der Oster-Kamp“ (auch: „Osterfeld“), „Im Bruchfeld“, Alte Dorfstelle „Detmerode“63

Größe: 

  • Nach dem Wüstfallen von Detmerode wurden in die Gemarkung von Mörse aufgenommen: 415 Morgen Ackerland, 173 Morgen Wiesen, 713 Morgen Anger. Die auf der Flurkarte von Detmerode angegebenen Hochbeete ergeben eine Fläche von rd. 432 Morgen.
  • Nutzbarkeit: gut, da fast alle Flurstücke auf Parabraunerden liegen, dem relativ besten Ackerboden der Umgebung des heutigen Wolfsburg. Ungünstig waren nur die Flurstücke südlich der Mühlenriede, die vermutlich deshalb nicht in die Mörser Gemarkung aufgenommen wurden65. Urselmarie Oberbeck-Jacobs bezeichnet den Boden als dm Geschiebemergel.

Dorfstelle:

  • Einwohnerzahlen: 1539: fünfzehn Männer, 1571: vierzehn Männer, 1663: nach einer Quelle 81, nach einer anderen 99 Einwohner. 1774: 35 Feuerstellen und 230 Einwohner, 1793: 37 Feuerstellen und 266 Einwohner. 1823: 313 Einwohner, 1858: 350 Einwohner; 1885: 80 Wohngebäude und 501 Einwohner. 1905: 84 Wohngebäude und 506 Einwohner, 1939: 534 Einwohner.
  • bäuerliche Besitzklassen: 1658: 23 Köter; 1690: zwölf Vollköter, dreizehn Stückenköter, fünf Häuslinge; 1757: Köter wie 1690, dazu drei Brinksitzer und vier Neuanbauer; 1793: 28 Kothöfe, vier Brinksitzer.
  • späterer Flurname: Alte Dorfstelle „Detmerode“

Weitere Wohnplätze in der Nähe von Danndorf:

  • Das Forstamt Danndorf war ein Wohnplatz 0,5 km südwestlich von Velpke und gehörte 1955 zur Landgemeinde Danndorf. 1757 ist sie wieder in Betrieb genommene herrschaftlich Ziegelei 1774-1855, seitdem nur Fostamt. 1772 ist sie Oberförsterei.
  • Das Forsthaus Danndorf war ein Wohnplatz 0,5 km westlich von Danndorf und gehörte 1955 zur Landgemeinde Danndorf. Sie war 1912 an der Straße Danndorf-Vorsfelde erbaut worden. 1959 hatte das Forsthaus acht Einwohner.

Lage:

  • Der Kern der Siedlung ist durch die Koordinaten 44.14.68 Rw und 58.07.46 Hw bestimmt, d.h. der Ort lag an der Trift, die ehemals von Mörse zum barten-lebenschen Laag führte67. Dort stehen einige Kugeleichen, die auf eine Hofstelle hinzuweisen scheinen. Die Lage ist schwach westexponiert. Dort wurden auf 3,37 ha (13,5 Morgen) Scherbenfunde gemacht, die auf das 14./15. Jahrhundert datiert werden.

Eckdaten: 

  • Erste urkundliche Erwähnung: 1475 (s.u.)
  • wüst gefallen: vor 1475; Grund: Lt. dem Mörser Kirchenbuch brannte Detmerode infolge der Hildesheimer Stiftsfehde am Donnerstag vor dem Sonntag Exaudi 1519 ab. Doch laut einem Lehnsbrief derer von Bartensleben war Detemerode zu diesem

Geschichte: 

  • Zeitpunkt bereits wüst (s.u.)71. Nach mündlicher Überlieferung, aufgezeichnet 1706, hatte das Amt Fallersleben befunden, dass die Dörfer im Amtsgebiet zu dicht beieinander lagen. Deshalb soll das Amt die kleinsten unter ihnen eingezogen haben, darunter auch Wellekamp. In dem Brief heißt es weiter: „… quo tempore solches geschehen, kann man nicht erfahren, daß es aber in den nachverflossenen 300 Jahren nicht geschehen, solches kann mit undt anderer Dorfstedte so mit Holz undt großen starcken Eichbäumen bewachsen, genugsam erwiesen werden“72.
  • Geschichte:
    Detmerode hatte keine eigene Kirche, sondern gehörte zum Kirchspiel Mörse. Noch um 1975 gaben Mörser Bürger dem Mörser Heimathistoriker Fritz Geffers gegenüber an, den alten Kirchweg zu kennen, den die Detmeröder an sonnigen Tagen regelmäßig nahmen. Er soll hinter dem Grundstück, das den Martens gehörte („Mörse 35“), geradeaus über die Beekwiese zum Bruchfeld auf Detmerode zu geführt haben. An regnerischen Tagen sollen die Detmeröder mit Pferdewagen über den alten Buchenweg (Bäukenweg) gekommen sein, der bei der alten Schmiede aus dem Ort hinausführte. Die Pferde sollen in den Stallungen der Schenke „Dorfkrug“ auf dem Gutshof untergestellt worden sein. Dabei soll der Wirt des „Dorfkruges“ einen Krugzins an die Kirche gezahlt haben, weil die Detmeröder dort regelmäßig einkehrten, bevor sie sich auf den Heimweg machten. Auch nach dem Umzug des „Kruges“ vom Gutshof an die alte Landstraße, wo er auch 1975 noch lag, blieb die Zinseinnahme für die Kirche offenbar unverändert bestehen. Erst einige Jahre vor 1975 soll der Gastwirt Wilhelm Meyer in Mörse diese Verpflichtung (zu dieser Zeit der Erinnerung von Fritz Geffers zufolge jährlich 2,50 DM) ca. fünfhundert Jahre (!!!) nach dem Wüstfallen von Detmerode eingelöst haben73.
    • Besitzwechsel einzelner Flurstücke: Nach dem Wüstwerden von Detmerode fallen dem adligen Gut Mörse die Flurstücke „Das große Feld“ und das nördliche „Dettmeröder Feld“ (insgesamt 626 Morgen74) zu. Der Schlosshauptmann vom Mahrenholz, Groß Schülper, gelangte in den Besitz von „Die Aue“ und „Am Knieberge“ (insgesamt 60 Morgen75). Die Witwe Weberling/Weferling in Hattorf erwarb das Land „In der Aue“ (4 Morgen)76. Mörse selbst bekommt eine Gesamtfläche von 1301 Morgen, davon 415 Morgen Ackerland, 173 Morgen Wiesen und 713 Morgen Anger. Der Großteil des Detmeröder Gehölzes kam zu Wolfsburg und das Gut zu Mörse77. Die Randfluren (Hochackerfluren) verblieben als wüst im Detmeröder, heute Hattorfer Holz78.
  • 1475: In einem bartenslebenschen Lehnsbrief wird Detmerode bereits als wüst angegeben79.
  • Um ca. 1830 wird das Flurstück „Auf der Kirchmesse“ wahrscheinlich noch in Form von Hochbeeten bewirtschaftet80.